Laubfrosch-Projekt

March 2nd, 2016

 

Herzlich Willkommen auf der Infoseite zum Laubfrosch-Projekt am Biozentrum in Martinsried!

 

Informieren Sie sich über unser Projekt und helfen Sie uns beim Schutz des kleinen grünen Frosches mit den großen Haftscheiben und der ausgesprochenen Kletterfertigkeit!

 

Unter folgendem Link erfahren Sie mehr über die Erkennungsmerkmale und die Charakteristika des Laubfrosches:

http://www.lars-ev.de/arten/ampha.htm

 

Die Paarungsrufe des Laubfrosch-Männchens können Sie sich unter folgendem Link anhören:

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/audio/klingeltoene/laubfrosch.mp3

  
   

Abb. 1: Laubfrosch-„Hüpferling“ kurz nach Vollendung der Metamorphose am Ausgleichsgewässer nahe dem Biozentrum der LMU in Martinsried

© Alexander Hausmann

 

Was wir machen

Wir kümmern uns seit 2014 um die Laubfrösche in der Umgebung des Biozentrums der Ludwig-Maximilians-Universität München, d.h. um die Population im Gebiet zwischen Martinsried und Hadern.

 

Wem wir helfen

Unser Projekttier, der Laubfrosch, erfuhr in den letzten Jahrzehnten einen starken Rückgang. Aus dem früher häufigen Amphib wurde eine der am stärksten bedrohten Lurcharten Bayerns und Deutschlands.

 

Warum wir das machen

Unsere Laubfrosch-Population ist von bundeslandweiter Bedeutung, aber zuletzt ging es ihr schlecht. Vor allem dem Bau des biomedizinischen Zentrums mussten Laichgewässer weichen. Weitere Gewässer gingen verloren oder sind eigentlich ungeeignet für den Laubfrosch. Die Ausgleichsteiche, welche nach Bau des Zentrums angelegt wurden, trocknen leider zu oft und zu schnell aus. Allgemein herrscht ein starker Mangel an geeigneten Laichgewässern in der Umgebung. Die Landschaft ist offen und potentielle Laichgewässer sind nicht gut vernetzt.

Wir wollen unserem bedrohten Freund, dem Laubfrosch, durch unser Engagement gerne den Lebensraum im Gebiet um die Universität herum erhalten und möglicherweise verbessern.

 

 

Zwei große Arbeitsbereiche: Analyse der Population + aktiver Schutz der Population

 

Analyse der Population

Im Jahr 2016 werden wir die Laubfrosch-Population im Gebiet des Martinsrieder Biozentrums einer detaillierten Analyse unterziehen. Durch ausführliche Kartierung der Subpopulationen während der Laichzeit wollen wir wichtige Gebiete zur Fortpflanzung und mögliche Wanderrouten ausfindig machen. Lebensräume und potentielle Wanderrouten werden wir dann auf deren Qualität untersuchen, um so eine Strategie zur Erhaltung/Neuschaffung von Laichgewässern und zur besseren Vernetzung dieser zu schaffen.

 

1. Kartierung: In den Monaten April und Mai werden wir allabendlich in der Gegend patrouillieren und nach rufenden männlichen Laubfröschen suchen. Diesen folgend werden wir hoffentlich zahlreiche Laichgewässer entdecken. Zur Tageszeit werden wir nach Laichballen oder bereits geschlüpften Larven in potentiellen Laichgewässern suchen. Von uns bereits gesammelte Daten aus den Jahren 2014 und 2015 werden in die Kartierung mit einfließen.

 

Besonders wichtig aber: Die Mithilfe der im Umkreis der Laubfrosch-Population wohnenden Bevölkerung! Wir bitten alle Anwohner im östlichen Martinsried und westlichen Hadern jede Sichtung von Laubfröschen, Laubfrosch-Larven oder sonstigen Anzeichen für Laubfrösche, wie Rufe des Laubfrosch-Männchens (Hörbeispiel ganz oben) an folgende Email-Adresse zu melden: laubfrosch1@yahoo.de

Egal, wo in Ihrer Umgebung Sie die Tiere sehen oder hören, bitten schreiben Sie uns an! Auch Sichtungen aus den letzten Jahren helfen sehr! Fehlmeldungen sind kein Problem.

 

 

Abb.2: Am 23. März 2016 verteilten wir ungefähr 1000 von diesen Flyern in Martinsried und München-Hadern.

 

Um Ihre Gartenteiche beispielsweise können Sie adulte Tiere besonders im April und Mai sehen. Die golden gefärbten Kaulquappen finden Sie oft bis in den Juli hinein. Hüpferlinge gibt es dann ab Juni oder Juli.

Am besten natürlich ein Foto mitschicken. Auch bei Fragen stehen wir gerne zur Verfügung. Wenn Sie in Ihrem Garten Lebensräume für den Laubfrosch schaffen wollen, dann stehen wir Ihnen auch gerne kostenlos beratend zur Verfügung.

Sollten Sie keine Emailadresse besitzen, können Sie auch in der Geschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz anrufen (Email ist für uns allerdings praktischer): 089-200 270 6

 

Nach dem Visualisieren unserer Kartierungsdaten mithilfe geographischer Informationssysteme (Satellitenbilder) werden wir einen guten Überblick über die verschiedenen Subpopulationen und deren mögliche Wanderwege haben. Auch werden wir grobe Schätzungen über die Größe der Population treffen können.

 

2. Qualitätsprüfung möglicher Lebensräume: Nachdem wir „Hotspots“ der Laubfrosch-Population, also potentielle Lebensräume während dem Sommer und während dem Winter, sowie Wanderwege ausfindig gemacht haben werden, werden wir diese auf deren Qualität untersuchen. Dem Laubfrosch sind manche Strukturen in verschiedenen Phasen seines Jahreszyklus besonders lieb. So braucht er zur Fortpflanzung ein geeignetes Laichgewässer. Zur Jagd und als Versteck nutzt er gerne Büsche und Sträucher in der Nähe der Teiche, um auf diesen aufzusitzen. Aber nicht nur nahe dem Teich, sondern auch auf der Strecke zwischen potentiellen Laichgewässern mögen die Tiere eine gewisse Deckung, wie beispielsweise Sträucher. Laubfrösche weisen eine starke Metapopulationsstruktur auf, d.h. eine große Laubfrosch-Population ist zersplittert in viele kleine. Um genetischen Austausch aufrecht zu erhalten, müssen sich diese Subpopulationen miteinander vernetzen. Großflächig offene Vegetation ist für die Wanderbewegungen unvorteilhaft. Im Winter dann brauchen die Tiere beispielsweise Stein- oder Laubhäufen zur Überwinterung.

 

3. Strategie zum Schutz des Laubfrosches: Auf unseren Ergebnissen aufbauend wollen wir eine Strategie zur Lebensraumerhaltung und -verbesserung für den Laubfrosch im Umkreis des Biozentrums entwerfen. Unsere Ergebnisse der Qualitätsprüfung werden uns Aufschluss darüber geben, an welchen Stellen das Gebiet besonders Laubfrosch-freundlicher gestaltet werden muss. Welche Teiche erfüllen nicht die Ansprüche der Tiere? Wo gibt es vielleicht noch unbekannte Laichgewässer und wie kann man diese erhalten? Wo wäre eine Konstruktion neuer Teiche besonders wirksam? Wie können wir den Tieren die Wanderungen über die offenen Grasflächen um das Biozentrum herum erleichtern?

Wir werden versuchen in Zusammenarbeit mit Bevölkerung und Behörden solche Verbesserungen in die Gänge zu leiten.   

 

 

Aktiver Schutz der Population

Seit 2014 schon kümmern wir uns um Ausgleichsteiche nahe dem Biozentrum. Obwohl uns noch ausführliche Daten über die Population fehlen, haben wir schon zahlreiche Dinge in die Wege geleitet. So haben für den Bau eines neuen Teiches im Jahr 2016 gesorgt. In der Zukunft werden wir unsere Strategie zum Schutz des Laubfroschs, welche wir in diesem Jahr erarbeiten werden, in die Tat umsetzen.

 

1. Betreuung der Ausgleichsteiche: Im nunmehr dritten Jahr (Stand 2016)  kümmern wir uns um die Ausgleichsteiche nahe dem Biozentrum. Diese sind sonnenexponiert, nährstoffarm und flach, was der Laubfrosch gerne mag, jedoch trocknen sie zu häufig und zu schnell aus. Generell ist ein Austrocknen von Laubfrosch-Gewässern erwünscht, da so regelmäßig seine Raubfeinde sterben, jedoch trocknen unsere Teiche zu häufig aus. Bei Sonnenschein und Maximal-Füllstand geschieht es teils in weniger als einer Woche, was eine erfolgreiche Fortpflanzung quasi unmöglich macht. Standen die Teiche kurz vor dem Austrocknen und waren Kaulquappen im Teich, dann füllten wir in den letzten beiden Jahren diese mit Grundwasser auf. Dies verzögerte die Metamorphose jedoch, da das Wasser recht kalt ist. So brauchten die Larven im Jahr 2014 zum Beispiel ungewöhnlich lange. Ohne unsere Hilfe wären sie aber ganz vertrocknet. Um diesem Dilemma im Jahr 2016 vorzubeugen, werden wir die Teiche im Frühling reparieren. Durch eine Durchtrennung der teichumfassenden Betonwand wollen wir Kapillarkräften Einhalt gewähren. Der Beton wirkt wohl wie ein Docht und zieht das Wasser aus dem Teich, was zu einem enorm schnellen Austrocknen führt.

Zudem bemühen wir uns seit 2015 darum, die Spaziergänger darüber aufzuklären, dass sie bitte nicht ihre Hunde in die Teiche lassen.

 

2. Anlegen eines neuen Teiches: Im Laufe des Jahres 2016 werden wir voraussichtlich gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde ein neues Laichgewässer für den Laubfrosch anlegen. Dieses soll ebenfalls in der Nähe der Universität liegen und auf die Wünsche des Amphibs angepasst sein. Da in der Gegend besonders viele paarungsbereite Tiere vorkommen, jedoch zu wenige Laichgewässer vorhanden sind, können wir dieses Gewässer auch schon vor Vollendung unserer Analyse der Population errichten.

 

3. Umsetzung unserer Strategie zum Schutz des Laubfroschs: Nachdem wir dann unsere Strategie zum Erhalt des Laubfrosches erarbeitet haben werden, werden wir uns darum bemühen, möglichst viele unserer Ideen auch in die Tat umzusetzen. Wir werden uns besonders darum bemühen, dass bereits existierende Laichgewässer erhalten und verbessert werden und, dass neue geschaffen werden. Offene Flächen zwischen verschiedenen Laichgebieten würden wir gerne mit mehr Struktur versehen, sodass der Laubfrosch besser wandern kann.

Unsere Strategie werden wir an die Untere Naturschutzbehörde weitergeben und uns für die Umsetzung unserer Vorschläge einsetzen.