Exkursion in den Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen

August 14th, 2017

Idyllische Almen und raue Hochgebirgswelt:

Exkursion der LBV-Hochschulgruppe in den Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen am 18./19. Juli 2017

 

Der Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen stellt mit seinen 422 km2 einen räumlichen Ausgleich im ansonsten touristisch stark erschlossenen Zillertal dar. Das im Jahr 1991 von der Tiroler Landesregierung verordneten Ruhegebiet ist seit 2001 Naturpark. Es reicht von rund 1000 m im Bergsteigerdorf Ginzling bis hinauf zum Gipfel des Hochfeiler (3510 m) und umfasst dabei weite Teile des Zillertaler- und Tuxer Hauptkamms. Der rauen Hochgebirgswelt mit rund 80 Gletschern steht im Naturpark eine einzigartige, bäuerlich geprägte Kulturlandschaft gegenüber. Auf unserer am 18./19. Juli 2017 stattfindenden Exkursion in den Hochgebirgsnaturpark hatten wir Gelegenheit beides hautnah zu erleben.

 

Für Langschläfer war unsere Exkursion wahrlich nichts, denn unser Programm begann am ersten Tag bereits um 8 Uhr in Mayrhofen (und das bei vorheriger Anreise ins Zillertal). An diesem Tag nahmen wir an einem Freiwilligenprojekt des Naturparks teil. Gemeinsam mit Naturparkbetreuerin Katharina, zwei Naturpark-Rangern und einem weiteren Freiwilligen fuhren wir zunächst mit dem Bergtaxi hinauf zum Brandberger Kolmhaus (1845 m). Dort angekommen erläuterte uns Katharina mit entsprechendem Kartenmaterial, worum es bei dem Freiwilligenprojekt geht.

 

Die steilen Hänge rund um das Kolmhaus sind bekannt für ihren Blumenreichtum. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft wurden jedoch viele der einstigen Bergmähder aufgelassen und sind mittlerweile zugewachsen. Seit 2010 engagiert sich der Hochgebirgsnaturpark am Kolmhaus mit dem Naturschutzplan auf der Alm für den Erhalt ausgewählter Flächen. Durch Freiwilligenarbeit werden die Grundeigentümer dabei unterstützt, verbuschte Flächen zu schwenden und auf diese Weise als Futterfläche zurückzugewinnen.

 

Als wir uns ausgerüstet mit Handschuhen und großen Astscheren auf die Projektfläche begaben, hatte der Grundeigentümer bereits ganze Arbeit geleistet und mit einer Motorsäge zahlreiche Latschen und Grünerlen umgeschnitten. Unsere Aufgabe bestand nun darin, die losen Äste zu großen Haufen aufzuschichten. Da die meisten Latschenäste natürlicherweise gebogen sind, lassen sie sich hervorragend übereinanderlegen. Am besten ist es, die Haufen parallel zum Gefälle und nicht zu hoch aufzutürmen, damit sie im Winter möglichst nicht von Lawinen mitgerissen werden.

 

Anpacken für den Naturschutz: Beim Freiwilligenprojekt auf dem Kolmhaus, werden zugewachsene Flächen entbuscht, um die artenreichen Bergwiesen dieser einzigartigen Kulturlandschaft zu erhalten.

 

Die körperliche Arbeit im weglosen Gelände gestaltete sich durchaus als anstrengend. Aber gerade das macht den Reiz eines solchen Freiwilligenprojekts aus. Bewegung an der frischen Luft, umgeben von einer eindrucksvollen Bergwelt – was kann es schöneres geben! Außerdem stellt sich bei einer solchen Tätigkeit schnell Erfolg ein, schließlich dauert es nicht lange bis die ersten Haufen zusammengetragen sind. Zwischendrin konnten wir kleinere Latschen und Erlen mit unseren Astscheren selbst umschneiden und rückten dabei auch dem ein oder anderen Wacholder und mancher Alpenrose zu Leibe.

 

Nach ein paar Stunden Arbeit war es Zeit für eine Mittagspause, wofür wir uns zum Kolmhaus begaben. Dort wurden wir von Lisi mit einem Drei-Gänge-Menü verwöhnt und konnten bei kühlen Getränken von der Terrasse aus den traumhaften Blick auf die gegenüber liegende Ahornspitze genießen. Das Mittagessen ist für die freiwilligen Helfer bei den Freiwilligenprojekten des Naturparks übrigens gratis. Nach der Pause setzten wir unsere Arbeit im Gelände fort. Durch ein herannahendes Gewitter wurde unsere Tätigkeit am Nachmittag vorzeitig beendet. Ein Getränk auf dem Kolmhaus ging sich trotzdem noch aus, bevor uns das Taxi wieder wohlbehalten ins Tal brachte.

 

Almpflege ist eine harte Arbeit, die aber Spaß machen kann! Sie eignet sich hervorragend zum Abschalten und am Abend weiß man definitiv, was man getan hat. Man entwickelt dabei auch große Achtung vor den Bergbauern, die die steilen Wiesen schon seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschaften. Die Teilnahme an einem derartigen Freiwilligenprojekt ist deshalb sehr empfehlenswert!

 

 

Glücklich und Zufrieden: Die TeilnehmerInnen des Freiwilligenprojekts nach getaner Arbeit.

 

Als Übernachtungsstätte hatten wir uns für den Naturpark-Zeltplatz Ewige Jagdgründe im Zemmtal entschieden. Bis zu drei Nächte kann man hier gratis übernachten, allerdings ist auf dem Campingbereich auch kein unnötiger Komfort vorhanden. Eine kurze Regenpause ermöglichte es uns, unser Zelt aufzubauen, bevor wir uns vor einem weiteren Gewitterschauer ins Auto flüchten mussten. Durchgeschwitzt von der Freiwilligenarbeit entschieden wir uns trotz widriger Wetterbedingungen für ein Bad im Zemmbach. Und oh Wunder, als wir an den 6er Gumpen eintrafen, hörte es sogar auf zu regnen. Das kalte Wasser war eine willkommene Erfrischung. Für unser Abendessen suchten wir uns schließlich eine schönen Picknick-Platz am G’schlössl. Wir hatten bereits frühmorgens handgemachte Tiroler Schlutzkrapfen besorgt, die wir nun am Gaskocher mit Salbei-Butter und Parmesan verfeinerten.

 

Am nächsten Morgen galt es erneut früh aufzustehen. Unser Ziel war der Hohe Riffler (3231 m), ein stattlicher Gipfel des Tuxer Hauptkamms. Nachdem wir unser Zelt zusammengebaut hatten, fuhren wir mit dem Auto hinauf zum Schlegeisspeicher. Dort genossen wir in den ersten Sonnenstrahlen mit Blick auf die grandiose Kulisse der Zillertaler Alpen unser Frühstück. Der Weg über das Friesenberghaus zum Hohen Riffler führte uns zunächst durch einen sehr schönen Zirbenwald und einige Latschenfelder zur Friesenbergalm. Dabei konnten wir den Tannenhäer schreien hören und einen tosenden Gebirgsbach bewundern. Von der Friesenbergalm schlängelte sich der Weg dann über alpine Rasen hinauf zum Friesenberghaus (2498 m), einer Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins.

 

Nach einer kurzen Pause, setzten wir unseren Weg zum Hohen Riffler fort. Etwas Sorge bereitete uns der Himmel, da es ziemlich bewölkt war und auch ein bisschen gewittrig aussah. Der Wanderweg ging bald in ein Schuttfeld mit großen Gesteinsblöcken über, die man mitunter auf allen Vieren überwinden musste. Block-Kletterei ist nicht jedermanns Sache, aber wenn man es sportlich nimmt, kann es ziemlich Spaß machen, sich über Block-Felder zu bewegen. Spannend ist auch immer wieder zu beobachten, wie die Vegetation auf dieser Höhe immer spärlicher wird. Waren wir zu Beginn unserer Tour noch durch Wald aufgestiegen, löste sich die geschlossene Pflanzendecke beim Gipfelanstieg bald in ein loses Mosaik einzelner Vegetationsinseln auf. Weiter oben begegneten uns schließlich nur noch einzelne Polsterpflanzen und die auf den Felsblöcken allgegenwertigen Flechten.

 

 

Schnee im Sommer – keine Seltenheit in der rauen Hochgebirgswelt des Hochgebirgsnaturparks Zillertaler Alpen. Blick vom Hohen Riffler Richtung Friesenberghaus und Schlegeisspeicher.

 

Es waren nur noch wenige Meter bis zum Gipfel, als ein entferntes Grummeln ein heran nahendes Gewitter ankündigte. Dieses veranlasste uns, vorzeitig den Rückweg anzutreten. Ein leichter Regenschauer sollte uns kurze Zeit später recht geben, dass das eine gute Entscheidung war. Zum Glück zog die Gewitterparzelle an uns vorüber und streifte uns nur leicht. So konnten wir noch einen kurzen Abstecher zum Petersköpfl (2672 m) machen, einem beliebten Fotopoint des Naturparks. Dutzende „Stoamandl“ verleihen diesen Gipfel eine magische Atmosphäre.   

 

 

Die Exkursionsteilnehmer: Alex, Freddi und Marc am Petersköpfl (2672 m).

 

Nach einer Brotzeit unterhalb des Petersköpfl stiegen wir zurück zum Auto ab. Dort angekommen hatten sich die Wolken aufgelöst und es erstrahlte blauer Himmel. So konnten wir uns in aller Ruhe die Staumauer des Schlegeisspeichers ansehen, und den Klettersteig- und die Kletterroute bestaunen, die letztes Jahr dort angelegt wurden. Auf der Rückfahrt legten wir dann noch zwei Stopps ein. Zum einen besichtigten wir aus nächster Nähe die beiden markanten, „Wig“ und „Wam“ genannten Kletterfelsen im Bereich „Ewige Jagdgründe“. Während wir unsere Füße im Zemmbach kühlten, konnten wir einigen Kletterern dabei zusehen, wie sie sich auf den vorgegebenen Kletterrouten den Fels hocharbeiteten. Der letzte Programmpunkt unserer Exkursion war schließlich die Besichtigung des Naturparkhauses in Ginzling. Dort befindet sich die Ausstellung „Gletscher.Welten“, in der die BesucherInnen mit auf den Weg einer in den Zillertaler Alpen verschollenen Expedition genommen werden. Der Überblick über den Naturraum und die Entwicklung des Gebiets bildeten einen schönen Abschluss unserer gelungenen Exkursion, die uns an zwei aufeinander folgenden Tagen die idyllische und die raue Seite des Hochgebirgsnaturparks Zillertaler Alpen erkunden ließ.   

 

Text und Fotos: Frederick Manck